Kragenbären erobern die Herzen und den Zoo
Man muss sie einfach gern haben – die Kragenbären-Halbstarken „Heinrich“ und „Henriette“, die seit Anfang der Woche regelmäßig auf ihrer großen Außenanlage zu sehen sind. Auf über 1000 qm Bärenspielplatz mit viel Gebüsch zum Zerkauen, Stachelbeeren zum Abpflücken, Kletterfelsen, Planschbecken und Fernsicht ins Bliestal toben sich die anderthalbjährigen Geschwister, die der Tierpark Dessau dem Neunkircher Zoo zum 100-jährigen Geburtstag übergab, so richtig aus und graben auch nach Herzenslust nach Erdbienenlarven und anderen Kerbtieren, ganz die ewig hungrigen Allesfresser, die eben alles mitnehmen, was appetitlich ist, egal von welchem Ort.
Besonders ins Auge fallen die großen „Plüschohren“, die so recht an den Kuschelteddy aus dem Kinderzimmer erinnern. So freundlich sie auch den Tierpflegern von Anfang an entgegentraten, gerade wenn ein Löffel Honig wartet, so grummelig und stur können sie aber auch schon ganz bärentypisch sein, wenn der Leckerbissen einmal nicht schnell genug von Pflegerhand zu Bärenschnauze wandert.
Mit etwa vier Jahren sind die Ussuri-Kragenbären dann ausgewachsene Raubtiere, die in ihren Ursprungsgebieten in Russlands Fernem Osten durch Bejagung (zum Teil für den chinesischen Markt), Lebensraumzerstörung, z. B. durch Waldbrände, oder als Verkehrsopfer an Erschließungsstraßen mittlerweile bestandsbedroht sind. Daher möchten verschiedene europäische Zoos eine Reservepopulation dieser Großbärenform aufbauen, und auch diese Tiere sollen, später mit unverwandten Partnern komplettiert, einmal zum (Unter-)Arterhalt beitragen.
Bis dahin können die Besucher des Neunkircher Zoos nach fast fünf bärenfreien Jahren die sachsen-anhaltinischen Neuzugänge beim Groß- und Bärenstarkwerden zusehen, zunächst noch täglich in den Vormittagsstunden und recht bald dann auch schon während der gesamten Öffnungszeiten, wenn die behutsame, schrittweise Eingewöhnung der sensiblen Sohlengänger vollständig abgeschlossen sein wird
